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Prolog

Die Entstehung dieser Webseite ist das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses der Auseinandersetzung mit meiner eigenen Biografie und der Geschichte meiner Familie.

Als Jugendlicher habe ich mehrere Begegnungen mit Gleichaltrigen aus Norwegen und Großbritannien erleben dürfen. Ich war erstaunt und beeindruckt, wie selbstverständlich sie sich als Kinder ihres Landes verstanden. Diese Haltung, dieses Gefühl habe ich nie gekannt. Ich habe mein Deutschsein immer als etwas zwiespältiges erlebt, und bis heute sind mir Menschen fremd, die stolz darauf sind, Deutsche zu sein. Mittlerweile weiß ich, dass jede Nation ihre dunklen geschichtlichen Anteile hat. Aber die Verantwortung für das, was im Namen des deutschen Volkes anderen Menschen, Gesellschaftsgruppen und Völkern während des Faschismus angetan wurde, bleibt bis heute unvergleichlich und darf nie in Vergessenheit geraten!

Diese Seiten sind nicht als Anklage, Schuldzuweisung zu verstehen. Sie sind ein Versuch, das Schweigen zu brechen, das auch heute noch herrscht und können so dabei helfen, die eigene Verantwortung für unsere Zukunft und die unserer Kinder neu zu definieren...

Die Suche nach den eigenen Wurzeln, der eigenen Herkunft ist auch eine Reise in das kollektive Bewußtsein des sozialen Zusammenhangs, den wir allgemein Familie nennen. Familiengeschichten sind immer auch Geschichten des Schweigens, des Verschweigens. Von klein auf sind diese "stummen Geschichten" für Kinder präsent; sie lernen, nicht zu fragen, nach dem, was unausprechlich ist. Und doch sind diese Botschaften der "stummen Geschichten" prägend für die Entwicklung des individuellen Bewußtseins. In ihrer Präsenz verhelfen sie dem kollektiven Familienbewußtsein zum Überleben, auch über Generationen hinweg...

Für mich persönlich war diese Familienrekonstruktionswoche ein wichtiger Schritt, mich meinen eigenen Wurzeln zu nähern. Rekonstruktion der Familie ist auch ein Stück Versöhnung mit meiner Familie geworden.

Was mich jedoch bis heute nachhaltig bewegt, ist die Erkenntnis, wie tief die Erfahrungen des Faschismus, Nationalsozialismus und des Krieges noch bis in unsere heutigen Tage wirken. Wir sind von Menschen erzogen worden, die von Menschen erzogen wurden, die Zeitzeugen, Täter oder Opfer dieser dunklen Jahre waren. Die unsäglichen Leiden, das Gefühl des Schuldiggewordenseins haben die Lebensbotschaften geformt, mit denen wir, Jahrzehnte später, auf den Weg geschickt worden sind.

Die heftigen Reaktionen in den öffentlichen Debatten der letzten Jahre, z.B. auf das Goldhagen-Buch oder die Wehrmachtsausstellung, sowie die gesellschaftliche Hilflosigkeit gegenüber dem Rechtsradikalismus und Neo-Faschismus in unserem Land, zeigen, wie präsent diese furchtbare Zeit des Faschismus in Deutschland bis jetzt in unserem individuellem und kollektivem (Unter-)Bewußtsein ist.

Die Zeit der Vergangenheitsbewältigung hat erst begonnen...

 

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